Mittelalterfest Leiben 2018

Mittelalter mit Leib und Seele

Samstag 11.08. – Sonntag 12.08.2018
 ab 11:00 Uhr
Meierhof in Leiben

Bericht von Matthias Reicher

Auch dieses Jahr waren wir wieder mit dabei! Unser „Brecher“ schildert euch hier das Erlebnis „Mittelalterfest in Leiben“.

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Wir befinden uns im Jahre 2018 nach Christus. Ganz Leiben ist „Opfer“ der modernen, neuen Zeit geworden. Ganz Leiben? Nein. Es gibt da noch den Meierhof, der – einmal pro Jahr – Widerstand leistet…
All jene, die sich jetzt fragen, was das bedeuten soll, waren wahrscheinlich noch nie beim Mittelalterfest in Leiben zu Besuch. Ein Umstand, den man zu ändern empfehlen darf.  Hier ein paar Zeilen über den Aufenthalt der Wollwerkstatt in Leiben, warum dieses Fest auf jeden Fall einen Besuch wert ist und wodurch es sich positiv von den anderen, zahlreichen Mittelalterfestivitäten abgrenzt.

Zugegeben war die Idee, unser Lager am Donnerstagmittag aufzubauen, ein zweischneidiges Schwert. Der Vorteil war ganz klar, dass wir die ersten der Schausteller waren und niemanden beim Aufbau unserer Zelte stören würden; weiters mussten wir uns nicht die Blöße geben, andere Leute Zeugen davon werden zu lassen, wie ungeschickt wir uns beim Transport der schweren Holztische- und Bänke anstellten. Nur die Sonne hatten wir nicht bedacht, die uns fröhlich und mit gefühlten 78°C empfing. Nach einigen Stunden Arbeit, dem Verlust von 12 Litern Schweiß – pro Mann – und jeder Menge Sonnencreme hatten wir es endlich vollbracht. Das Lager stand, während wir erschöpft am Boden lagen. Halb tot, aber voll und ganz zufrieden.
Aber für so ein paar Tage mittelalterlichen (Er)lebens gehören auch jede Menge andere Vorbereitungen, und damit war die Pause nur von kurzer Dauer. Verpflegung wollte besorgt werden, nur aus authentischen, mittelalterlichen Zutaten – das Vereinsbudget spielte hier ebenso eine Rolle – , das Feuer in der Feuerschale musste am Abend angefacht und am Leben gehalten werden. Die nächsten Tage gehörten gut geplant und Aufgaben eingeteilt, angefangen bei der Frage wann welche Speisen zubereitet werden und wie viel Zeit welche Aufträge in Anspruch nehmen bis hin zur Planung, wie viel Leder und Holz für die Bearbeitung benötigt wird. Man ahnt beim Lesen dieser Zeilen vielleicht bereits, dass bei diesem Fest großer Wert auf das alte Handwerk gelegt wird. Unter anderem ist es das, was das Mittelalterfest am Meierhof von anderen, ähnlichen Events abhebt. Leiben soll Mittelalter zum Anfassen sein. Wie hat der Schmied gearbeitet? Wie wurden Stoffe gefärbt? Wie wurde die Wolle verarbeitet? Wie hat sich das Schießen mit Pfeil und Bogen angefühlt? All das sind Dinge, die man in Leiben nicht nur sehen, sondern auch selbst entdecken und erproben kann. Bombast und Kitsch weichen Großteils zugunsten der Interaktion.

Der Freitag meinte es gut mit uns und machte mit kaltem Wind und Regenschauern wett, was uns der Donnerstag mit seiner Hitze angetan hatte. Er meinte es dabei wohl etwas zu gut, denn wir mussten ziemlich improvisieren, damit das Zeltdach unter der Last des Regens nicht einfach durchriss. Aber die Konstruktion aus Holzbänken, langen Ästen, Auffangkübel und Hammer, die wir erschaffen hatten, funktionierte tadellos. MacGyver wäre stolz auf uns gewesen. Der Samstag meinte es ebenso gut mit uns und machte mit Hitze wett, was uns der Freitag mit Regen und Wind angetan hatte. Diesmal pendelte sich das Wetter aber gut in der Mitte ein, und so kamen auch durch das Wetter bedingt viele Besucher, die uns neugierig zusahen und uns verschiedene Fragen stellten – die Violinistin von Amarok Avari punzierte sogar ihren eigenen Gürtel. Auch ihr kleiner Sohn probierte sich an dem Lederhandwerk. Und er blieb nicht der Einzige. Denn neben vereinzelten Erwachsenen wurden wir von 180493 Kindern – tatsächliche Zahlen können abweichen – überrannt, die sich allesamt ihre eigenen Anhänger und Armbänder punzierten und mitnahmen. Wegen der zahlreichen Probiermöglichkeiten und dem (Kennen)Lernfaktor für verschiedene Handwerke ist das Fest in Leiben nicht nur, aber ganz besonders für Kinder und Jugendliche interessant. Aber die Wollwerkstatt trägt ihren Namen nicht umsonst. Es waren eher die Erwachsenen als die Kinder, die sich für verschiedene Wollarten, deren Verarbeitung und deren Nutzen interessierten und unsere Wollexpertin und Vereinsobfrau Dani ausfragten. Bei den Ritterkämpfen konnten wir uns eine kleine Pause gönnen. Es bereitete uns allen Freude zu sehen, wie der Ritter, der sein lauwarmes Bier nicht hatte zahlen wollen, verdroschen wurde – natürlich mit kinderfreundlichem Augenzwinkern und durchgeplanter Choreographie, und damit ungefährlich sowohl für Darsteller als auch Zuseher.

Der Samstag war natürlich anstrengend, aber komplett erfolgreich verlaufen. Als die Sonne dann Feierabend machte und es finster wurde, heizten die Darsteller der Feuershow Besuchern und Schaustellern, noch einmal so richtig ein. Schon beeindruckend, wie sehr die Flammen in der Dunkelheit strahlen und wie warm sie aus der Distanz noch auf der Haut spüren kann. Und weil wir von der Hitze noch immer nicht genug hatten, saßen wir in der Nacht gut gelaunt und erschöpft rund ums Lagerfeuer, stießen auf den geschafften Tag an – und komme was Wolle, wir freuten uns bereits auf den Sonntag.

Nach einer kurzen, aber nichtsdestotrotz erholsamen Nacht gab es zwei Anlässe zur Freude. Erstens: Wir hatten noch so viel Essen übrig, dass wir beim mittelalterlichen Frühstück nach Lust und Laune völlern konnten. Und da die Feuershow schon am vorigen Abend über die Bühne gegangen war, landeten wir für die Todsünde noch nicht einmal auf dem Scheiterhaufen. Zweitens: Wegen des Ferienspiels gab es noch mehr Kinder, denen wir unser Handwerk näherbringen und die wir eigene Lederstücke für Halskettchen und Armbänder mit Mustern prägen lassen konnten. Das bedeutete zwar mehr Arbeit – es bedeutete aber auch noch mehr Spaß. Am Ende entdeckt und sieht ein Kind die Welt rund um sich nunmal doch mit anderen Augen als ein Erwachsener.
Leider musste das Mittelalter am Sonntagabend dann wieder dem Alltag weichen. Zelte und ganze Lager wurden abgebaut und verschwanden in Bussen und Anhängern, die Schausteller verabschiedeten sich voneinander und aus einem der Autos lief „Somewhere over the rainbow“ – was den Abschied nicht gerade leichter machte. Was bleibt, ist aber ein Jahr voller Vorfreude auf Leiben 2019. Und eines hat sich seit dem Mittelalter nicht geändert: Vorfreude ist und bleibt die schönste Freude.

Verschiedene Links zum Fest:
(inkl. TV-Bericht 😉 )
* https://www.prellhawer.at/news/212-mittelalterfest-leiben-2018
* https://www.m4tv.at/videos-mittelalterfest_im_schloss_leiben?v=4635
* https://www.noen.at/melk/leiben-das-mittelalter-einmal-erleben-fotos-mittelalterfest-110295836
* https://www.youtube.com/watch?v=LCxjMWiFWlE
* https://www.facebook.com/events/1624227087674141
* http://www.taterman.at/mittelalterfest-in-leiben/?fbclid=IwAR3IHd4sDCxMrJYWHuvd0lRsqW52wEbqtG_z4wNr1h_OxmvgU21T2-Ii6bI


Ein großes Lob
an die Veranstalter Claudia und Roman Kampleitner und deren Verein Mittelalterlager für die richtig tolle Organisation! Vielen lieben Dank auch wieder an alle unsere Nachbarlager in Leiben! Es macht jedes Mal Freude euch wieder zu sehen!


Hier haben wir einige Fotos (kunterbunt gemischt) von uns und anderen Handwerkern aus Leiben 2018.
Du findest die Fotos auch auf Facebook.

 

Fotos kommen noch

 

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