Mittelalterlager Purgstall 2018

Mittelalter mit Leib und Seele

Samstag 21.04. – Sonntag 22.04.2018
ab 11:00 Uhr nur für gewandete Tagesgäste

Schlosspark in Purgstall an der Erlauf

Bericht von Matthias Reicher

Zugegeben wussten wir anfangs nicht, was uns erwarten würde, als uns Hannes, der Jausenträger, am Meierhof in Leiben völlig ohne Vorwarnung Einladungen zum „Lagerleben“ im April 2018 in Purgstall in „die Hände“ drückte. Was sollte das genau sein, „Lagerleben“? Wir wussten es zu dem Zeitpunkt noch nicht so genau. Da Probieren aber über Studieren geht und wir uns sehr über die Einladung freuten, sagten wir einfach „Ja!“. Das war im Sommer 2017. Springen wir ein paar Monate weiter. Im Frühjahr 2018 hatten wir uns bereits genauer darüber informiert, was es mit dem „Lagerleben“ auf sich hatte. Es war einem Mittelalterfest nicht unähnlich, doch es gab auch signifikante Unterschiede. Das bedeutet, dass das Lagerleben für jene Leute gedacht ist, die dem Mittelalter nicht nur einen kurzen Besuch abstatten, sondern ihm mit Leib und Seele frönen. Was ist also so passiert in unserer Zeit im und vor dem Lagerleben? Vorab: Wer Pest und Kreuzzüge erwartet, den müssen wir enttäuschen. Wer also auf Tote hofft, kann hier guten Gewissens aufhören zu lesen. Ganz unspektakulär fing alles mit Vorbereitungen an. Und man will gar nicht glauben, wie viele Dinge es zu bedenken gilt, wenn man auf das Lagerleben vorbereitet sein möchte. Die mittelalterlichen Gewandungen mussten von August- auf Apriltemperaturen angepasst werden. Gürtel und Schuhe mussten hergestellt werden, genauso wie Gewandungen für unsere Jüngsten. Ein mittelalterlicher Speiseplan musste erstellt, Leder besorgt und Wolle gewaschen werden, damit wir während der Lagerzeit auch genug zu arbeiten haben. 

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Aber selbst die anstrengendsten Vorbereitungen gehen irgendwann vorbei. Und am frühen Morgen des zwanzigsten Aprils hatten wir es endlich geschafft und konnten uns auf den Weg machen. Die Kofferräume unserer Autos vollgepackt mit guter Laune und mittelalterlichem Krimskrams brausten wir in Richtung Purgstall. Gut, dass wir uns so früh auf den Weg gemacht hatten. Nachdem das Areal zu diesem Zeitpunkt noch recht leer war, hatten wir genug Zeit, den uns zugeteilten Platz zu suchen. Natürlich hofften wir, dass es ein angenehmes Fleckchen war. Und urplötzlich sahen wir unter goldenen Lichtstrahlen und lauten „HALLELUJA“-Chören den Platz, den perfekten Platz, unseren Platz! Eine herrliche Kombination aus Gras und Moos, nicht zu steil, nicht zu gerade, nicht zu heiß, nicht zu kalt, grün, aber nicht zu grün… Während ein Teil der Wollwerkstatt anfing, die Zelte aufzuschlagen und all das Gepäck zu verstauen, ging der andere Teil ganz unmittelalterlich zum örtlichen Supermarkt um die wichtigsten Zutaten für den Speiseplan der nächsten Tage zu besorgen. Schade eigentlich, dass wir zu dem Zeitpunkt noch keine mittelalterlichen Gewandungen trugen. Der Blick der Kassiererin wäre sicher in die Geschichte eingegangen. Mittlerweile stellten wir durch „Beschnuppern“ und etliche Gespräche fest, dass wir ziemlich nette Lagernachbarn hatten. Am Abend wurden wir von den Veranstaltern Hannes, Martina und ihrem Gatten Kurt auch eingewiesen, was es alles zu beachten gilt während der Zeit beim Lagerleben. Beispielsweise wo die Duschen zu finden waren, ab wann es Frühstück gab oder ab wann Nachtruhe herrschte. Weiters erfuhren wir, dass Meisterschaften im Wikingerschach und im Bogenschießen stattfanden. Die sechsjährige Irina ließ es sich natürlich nicht nehmen, beim Bogenschießen mitzumachen, und nach kurzer Zeit und ein paar Tipps von Profis hatte sie nicht nur die rote Zielscheibe, sondern auch das Kunststofftier, das es zu treffen galt, mit Pfeilen perforiert. Was lernen wir daraus? Leg dich nicht mit Irina an. Der Abend begann, als unser Schuster das Feuer in der Feuerschale entfachte, den Kessel mit der Kette am Dreibein über die Flammen hängte und wir alle begannen, wie die Berserker die Zutaten für den Eintopf zu schneiden. Bald war die Luft vom Geruch von Fleisch, Schwammerl, Karotten, Zeller, Lauch erfüllt. Die Nacht klang aus mit einer gemütlichen Runde rund um die Feuerschale, Bier und Met inklusive. Das Beobachten der heißen Glut gehört zu den schönsten und entspannendsten Dingen überhaupt.

Leider war die Nacht auch viel zu kurz. Das lag hauptsächlich daran, dass unsere Vereinsobfrau Dani und Manu schon zu sehr früher Stunde vor unserem Zelt standen. Wie sie es schaffen, so früh so wach zu sein, haben wir noch nicht herausgefunden. Es wird wahrscheinlich ein Geheimnis bleiben. Beim gemeinsamen Frühstück haben wir wieder gemerkt, dass man seine Nahrung ganz anders und viel bewusster wahrnimmt, wenn man sein Brot beispielsweise mit den Händen reißt, auf alten Holzbrettern und aus alten Holzschüsseln speist und selbstgeschnitzte Löffel verwendet statt des vertrauten Edelstahlbestecks aus den eigenen vier Wänden. Nach dem gemeinsamen Reinigen der Essbretter und Schüsseln machten wir uns an die Arbeit. Eine befreundete Weberin kam mit ihrem „Weberknecht“ zu Besuch und half uns dabei, einen einfachen Webrahmen zu bespannen, den wir aus Ästen und Schnüren selbst gemacht hatten. Auch unsere Freunde, die Färber, statteten uns einen Besuch ab und wir beschlossen, nächstes Jahr in Leiben zu kooperieren – wir werden spinnen und sie werden färben! So spinnten, spannten und webten wir brav zusammen. Nach einer guten Mittagsmahlzeit – Weizeneintopf – wurde noch brav weitergearbeitet, ehe es auch schon Nachmittag und dann langsam Abend wurde. Es ist schon faszinierend, wie schnell die Zeit manchmal vorbeigehen kann. Wir holten einen ganzen Radwagen voller Holz und unser Schuster kümmerte sich um das Grillfleisch, während alle anderen die Saucen zusammenrührten, Gewürze im Mörser zerstießen und Zutaten für den Salat in Stücke hackten. Es war ein herrlich entspannter Abend und das Feuer hielten wir für unsere Lagernachbarn gerne etwas länger am Leben, denn die hatten auch etwas davon. Und ganz spät in der Nacht kümmerte es dann weder sie noch uns so wirklich, dass es im Mittelalter eigentlich keine Marshmellows gegeben hatte, die man über dem Feuer hätte grillen können.

Diesmal war die Nacht länger und erholsamer, und alle fühlten sich frisch gestärkt. Dass es bereits Sonntag war und wir in wenigen Stunden anfangen würden, unsere sieben Sachen wieder wegzuräumen tat zwar ein wenig weh; jedoch ließen wir uns das Frühstück und die letzten paar Stunden nicht davon verderben, denn wenn etwas Schönes zu Ende geht, sollte man es auch bis zum Schluss genießen, und das taten wir. Bis die Glut erloschen, die Zelte abgebaut, jede Kleinigkeit in Tasche und Koffer verstaut war und wir uns auch von den Veranstaltern verabschiedet und klargemacht hatten, dass wir im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei sind.


Ein großes Lob
an Hannes den Jausenträger, Matrina und Kurt von „Gaudium zur Purg“ für diese tolle Veranstaltung und aufwendige Organisation!


Verschiedene Links zum Fest:

* https://www.prellhawer.at/gallery/veranstaltungen/lagerleben-gaudium-zu-purg-2018
* http://www.taterman.at/lagerleben-zu-purg-2018/
* http://www.taterman.at/purgstall/
* https://www.youtube.com/watch?v=MkVhiVGtiuo
* https://www.noen.at/erlauftal/purgstall-gaudium-zur-purg-campen-im-mittelalter-mittelalter-mittelalterfest-camping-40566878
* https://twitter.com/KawauTV/status/988736798749839360


Hier haben wir einige Fotos (kunterbunt gemischt) von uns und anderen Handwerkern vom Lagerleben in Purgstall 2018.
Du findest die Fotos auch auf Facebook.

 

Fotos kommen noch

 

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